Ein Reisebericht aus Russland. Wieder in Sankt Petersburg und Abschied von Russland

745795.jpgIm Juli 2016 unternahm ich eine erste Reise nach Sankt Petersburg. Es sind gesammelte Eindrücke über die Stadt und seine Bevölkerung. Auf eine detaillierte Beschreibung von Sehenswürdigkeiten wurde bewusst verzichtet. Von dort setzte ich meine Reise zu den Weiten Kareliens fort.

Herr Harald Böhme

Wieder in Sankt Petersburg und Abschied von Russland

Michail hatte uns mit dem Boot wieder nach Kischi gebracht, wo schon das Schnellboot nach Petrosawodsk bereitstand. Diesmal fuhren wir mit dem Schnellzug, so dass wir schon nach 5 Stunden in Sankt Petersburg ankamen. Mein Zimmer war wieder im „Newski-Grand-Hotel“ reserviert.

Am folgenden Tag hatte ich mir die Besichtigung der Zarenresidenz „Zarskoje Selo“ in der heutigen Stadt „Puschkin“ vorgenommen.

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Eingang zum Zarenpaleast. Es ist schon kurz vor 18:00 Uhr,
doch noch immer drängen Touristen in den prunkvollen Palast "Katerina der Großen".

Die Stadt „Puschkin“ liegt ungefähr 25 Kilometer außerhalb von Sankt Petersburg. Wir fuhren über die östliche Ausfallstraße dem „Moskau-Prospekt“. Das alte Sankt Petersburg ließen wir hinter uns. Vor uns lag eine schnurgerade breite Straße gesäumt von imposanten Stalinbauten.

In den 30ger Jahren ließ Stalin mitten auf dem Feld ein Parlamentsgebäude errichten. In Richtung Sankt Petersburg und Moskau entstanden gewaltige Wohngebäude mit Granitfas-saden und Skulpturen der damaligen Zeit verziert. Die Innenhöfe waren parkähnlich angelegt und jeweils mit einem Springbrunnen versehen. Die Innenhöfe wurden über große schmiede-eiserne Tore betreten. Diese Wohnanlagen sind bei den Petersburgern noch heute sehr begehrt. Die Straße umschloss im Bogen eine Nachbildung des „Brandenburger Tor“ aus Stahl und ein monumentales Denkmal an den „Großen Vaterländischen Krieg“.

Vor einigen Jahren hatten die Petersburger über den Namen ihrer Stadt abgestimmt. Mehrheitlich entschieden sie sich für „Sankt Petersburg“ als Gesamtheit. Doch für diesen Stadtteil, blieben sie bei dem Namen „Leningrad“. So wurde es die Stadt mit den zwei Namen.

Die Ausfallstraße erweiterte sich zur Autobahn und führte am Messezentrum vorbei. Nach wenigen Kilometern erreichten wir die ehemalige Frontlinie aus dem 2. Weltkrieg vor Leningrad. Die Zarenresidenz konnte von Deutschen Truppen eingenommen werde, doch weiter kamen sie nicht. Leningrad wurde von 1941 bis 1944 belagert, konnte aber nicht eingenommen werden. Durch Kanonenbeschuss und Bomben wurde Leningrad zu 30% zerstört. Die fotografischen Zeitzeugnisse erinnern mich an das zerbombte Deutschland. Hier und dort baute die Bevölkerung, unter sehr schweren Bedingungen, ihre Städte wieder auf. Heute sieht man keine Spuren der Zerstörung mehr. Auch wenn sich Deutsche und Russen begegnen, spürt man nichts von Hass oder Ablehnung. Aber vielleicht ist doch noch ein Beigeschmack vorhanden und man schluckt ihn einfach herunter.

Wir erreichten die Stadt Puschkin und fuhren an der Zarenresidenz vor. Sie ist vor allem von Elisabeth und Katerina II. -„Der Großen“- geprägt. In ihm befindet sich auch der Nachbau des berühmten „Bernsteinzimmer“. Das prächtige Schloss ist von einem weitläufigen Park umgeben. Auch hier möchte ich mich einer detaillierten Beschreibung enthalten. Das muss man einfach selbst gesehen haben.

Ich bemerkte gegenüber meinem Reiseführer, dem Kunsthistoriker, dass ich ähnliche Anlagen schon mal in Deutschland gesehen hatte, eben nur etwas kleiner. Er setzte wieder sein Lächeln auf und antwortete: „Mein lieber Freund, Russland ist 48 mal grösser und reicher als Deutschland. Ihr König Wilhelm I. lieferte für das Bernsteinzimmer einige Rahmen. Er hatte weder Sinn noch Geld ein solches Zimmer zu gestalten. Mit Angst erwarteten europäische Auktionshäuser russische Käufer, weil sie komplette Ausstellungen kauften. Ich habe Ihnen nur einen Teil davon in Sankt Petersburg gezeigt. Alleine für die Kuppel der Isaak-Kathedrale wurden 500 kg pures Gold verarbeitet. Und wieviel Kuppeln haben sie gesehen?“

Ich konnte die Kuppeln nicht zählen und dann noch die Ausschmückungen der Innenräume unzähliger Paläste. Es war einfach gigantisch und machte mich mit dieser Überlegung sprach-los. Er genoss meine Verlegenheit, klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter und wir machten einen sehr schönen Spaziergang durch den Park Katherina der Großen. Immerhin entstammte sie meiner Heimat, dem Herzogtum Anhalt.

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Dieser kleine Pavillon diente Katerina zum verweilen.

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Direkt am Parksee befindet sich auch die Admiralität.

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Park. Mein Reiseführer für Sankt Petersburg kann sich vor Anfragen für eine Führung nicht retten.
Seine Ausführungen waren wirklich sehr gut.
So werde ich den Spaziergang mit ihm durch den Park auf keinen Fall vergessen.

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Park. Zu Katerinas Zeiten hätten diese zwei Besucherinnen bestimmt nicht in den Park gedurft,
doch jetzt entspannen sich viele Einwohner in diesem Park.

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Ausblick über den Park. In diesem kleinen Anbau verweilte Katerina die II. sehr gerne.
Sie genoss den Blick über den Park. Im Alter war Katerina die II. nicht mehr so beweglich und sie dort oben die Kutsche vorfahren, um sich im Park zu entspannen.

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Zarenresidenz. Das Palastgebäude ist zwar 400 Meter lang aber nur 23 Meter breit.
Im Inneren nimmt man diese Enge aber nicht wahr.

Am nächsten Tag ließ ich mich zum Flughafen fahren. Nach dem Check-in-Bereich tat sich mir wirklich ein ganz anderes Bild vom Flughafen auf. Bedeutend kleiner als Frankfurt, aber mit allem was das Herz begehrt.

Für die Organisation der Reise möchte ich mich ganz herzlich bei dem Team des Reisebüros „Russland mal anders“ oder „Russieautrement Organisation“

Newski-Prospekt Nr. 30, Büro 5.3 in 191011 Sankt Petersburg bedanken.

Die direkte Ansprechpartnerin ist Frau Ekaterina Archipowa unter der E-Mail: ekaterina@russland-anders.com

Schlusswort

Von Russland kommt man nicht einfach wieder los. Im Februar werde ich Sankt Petersburg und die Weiten Kareliens wieder besuchen. Diesmal werden Ski-Langläufe, Eisangeln und Schlittenfahrten auf dem Programm stehen.

Vielleicht sehen wir uns dort.

Harald Böhme