Ein Reisebericht aus Russland. Die Fahrt nach Petrosawodsk

745795.jpgIm Juli 2016 unternahm ich eine erste Reise nach Sankt Petersburg. Es sind gesammelte Eindrücke über die Stadt und seine Bevölkerung. Auf eine detaillierte Beschreibung von Sehenswürdigkeiten wurde bewusst verzichtet. Von dort setzte ich meine Reise zu den Weiten Kareliens fort.

Herr Harald Böhme

Die Fahrt nach Petrosawodsk

30 Minuten vor der Abfahrt trafen wir am Bahnhof ein und konnten in aller Ruhe den Zug ausfindig machen. An jedem Wagon war eine Tür geöffnet vor der jeweils eine Zugbeglei-terin stand und die Tickets kontrollierte. Bei mir wurde auch der Pass verlangt. Dann wurde uns unser bestelltes Abteil zugewiesen. Es war ein Vierer-Kupee. Für uns waren die beiden unteren Schlafplätze reserviert. Meine Reiseleiterin machte sich sofort an das Beziehen der Betten. Pünktlich um 23:00 Uhr rollte der Zug an und verließ Sankt Petersburg in Richtung Nord-Osten zu den Weiten Kareliens. Viele Fahrgäste hatten sich für die Vorzüge des Nachtzuges entschieden. Auf dem zum Bett umfunktionierten Sitz konnte man bequem schlafen. Bei dem Zugpersonal konnte ich mich mit Getränken, Süßigkeiten und Gebäck versorgen. Am Wagonende befand sich ein großer Behälter mit heißem Wasser für den Tee. Im Winter sicherlich eine Notwendigkeit. Ich war überrascht, dass der Zug keine ruckartigen Bewegungen nach links oder rechts machte, so dass ich wirklich gut einschlief.

Mit dem Anbruch des neuen Tages wachte ich gegen 5:00 Uhr auf. Der Himmel war Wolkenverhangen und trübe. Endlos schienen die Wälder die wir durchfuhren. Ab und zu tauchte eine Holzfällersiedlung auf. Schließlich erreichten wir Petrosawodsk. In Russland ist die Höhe des Bahnsteiges nicht der Zughöhe angepasst, so das Aus- und Einsteigen etwas ungewohnt und mit Gepäck schwierig ist. Vor dem Bahnhofsgebäude wurden wir schon erwartet. Das Gepäck wurde uns abgenommen und zum Hafen gefahren. Wir selbst bummel-ten durch die Stadt, um unser Frühstück in einem Café einzunehmen. Auch dies war im Voraus schon bestellt. Bis zu unserer Abfahrt mit dem Schnellboot hatten wir noch viel Zeit und nutzten es für einen Spaziergand an der Uferpromenade. Mit meiner Reisebegleiterin konnte ich mich wirklich sehr gut unterhalten. Sie hatte eine unkomplizierte, natürliche Art. Die Zeit verging wie im Flug und wir konnte das Schnellboot betreten. Als es den Hafenbe-reich passiert hatte, nahm die Geschwindigkeit stetig zu und es erhob sich aus dem Wasser und zerschnitt die Wellen auf Kufen. Die Ufer entfernten sich schnell und der Onegasee wurde zum uferlosen Meer. Noch immer war der Himmel wolkenverhangen. Nach einer guten halben Stunde kam wieder Land in Sicht. Entlang an kleinen und größeren Inseln folgte das Schnellboot der breiten Wasserstraße. Pünktlich legte es am Kai von Kischi an. Kischi ist südlich vom Festland Kareliens gelegen. Die Insel wird von ca. 100 Einwohnern bewohnt die vorzugsweise vom Tourismus leben. Im Norden befindet sich ein kleines Dorf aus Holzhäusern. Südlich liegt die berühmte Holzkirche, die Mühle und Bauernhöfen, die als Museum dienen. Hier konnte man auf sehr anschaulicher Weise das Leben der Bevölkerung nachvollziehen. Die große Entfernung zu Moskau und Sankt Petersburg bot verfolgten Menschen Schutz. Der Lebensalltag war streng geregelt, hart und dennoch idyllisch. Diese Idylle genossen wir auf einem Holzsteg am Ufer des Onegasees. Eine kleine Priese vom See verschaffte uns ein wenig Kühlung, denn die Sonne hatte sich durchgesetzt und es kam eine schwüle Hitze auf, obwohl das Thermometer nur 26°C anzeigte.

Doch unsere Reise nach Karelien war noch nicht beendet. Michail war auf Kischi angekom-men, um uns zu unserem eigentlichen Ziel zu bringen. 20 Minuten südlich von Kischi hatte ich ein Gästehaus in der üblichen Hausbauweise Kareliens gemietet. Es lag ebenfalls auf einer Insel. Es gab nur zwei Verkehrsmittel in dieser Gegend von Karelien: Im Sommer ein schnelles Motorboot und im Winter das Schneemobil. Hundeschlitten und Ski waren auch noch ein Fortbewegungsmittel, jedoch langsamer.

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Kischi. Absolute Flaute. Wir warten auf frischen Wind.