Ein Reisebericht aus Russland. 5 schöne Tage auf der Insel

745795.jpgIm Juli 2016 unternahm ich eine erste Reise nach Sankt Petersburg. Es sind gesammelte Eindrücke über die Stadt und seine Bevölkerung. Auf eine detaillierte Beschreibung von Sehenswürdigkeiten wurde bewusst verzichtet. Von dort setzte ich meine Reise zu den Weiten Kareliens fort.

Herr Harald Böhme

5 schöne Tage auf der Insel

300 Meter vom Ufer entfernt, auf einer kleinen Anhöhe standen 4 Gästehäuser. Sie waren aus massiven Holz gebaut. Durch einen kleinen Vorraum betrat ich den einzigen, aber geräumi-gen Raum. 2 Betten mit Nachttisch, ein weiterer Tisch und Hocker dabei. In der Ecke stand der Kamin. Die Toilette mit Dusche war vom Zimmer durch eine Holzwand abgeteilt. – Gemütlich!

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Gemeinschaftshaus. Im inneren befindet sich die Küche und der Essraum.
Von der Veranda hat man einen schönen Blick zum Ufer.

Zu den Essenszeiten traf man sich in einem weiteren Gebäude. Über eine Veranda betrat man einen großen geräumigen Raum mit langem Holztisch und Holzbänken. Hinter einer Holzwand befand sich die Küche. Die dicken Holzstämme machten einen sehr soliden Eindruck. Da konnte schon mal ein heftiger Sturm kommen.

Am Ufer stand noch ein weiteres Gemeinschaftsgebäude, das Badehaus – die Banja. Auf halber Höhe zu den Gästehäusern hin, war ein kleiner Wirtschaftsgarten angelegt. Auch ein größeres Kartoffelfeld war vorhanden. Im Stall standen 2 Milchkühe und ein Paar Hühner liefen im hinteren Teil herum. Es war also für alles gesorgt.

Vor dem Abendessen wollte ich die Banja nutzen. Doch ich musste noch warten, denn im Moment wurde sie von den Frauen genutzt. Der Anstand und die Achtung vor der Nacktheit des anderen Geschlechts, geboten einen gebührenden Abstand. So war es mir zu diesem Zeit-punkt auch nicht möglich an das Ufer zu gehen.

Das Abendessen war sehr reichhaltig, vielfältig und mit großer Liebe zubereitet. Nicht alle Gäste nahmen das Gemeinschaftshaus in Anspruch, sondern verpflegten sich selbst in ihrer Hütte.

Als ich wieder in meine Hütte gehen wollte, kam ich an der Hütte der anderen Urlauber einfach nicht vorbei. Ein Ehepaar aus Moskau lud mich ganz herzlich zu sich ein. Sie waren noch beim Abendbrot. Ich kam nicht drumherum, von allen Speisen musste ich probieren. Ein weiteres Urlaubspaar kam hinzu. Jetzt mangelte es nicht an Trinksprüchen, wozu der Wodka reichlich floss. Mit meiner guten Essensgrundlage konnte ich gut mithalten. Der Wodka war selbst angesetzt und durch Kräuter verfeinert worden. Er rann wie Öl die Kehle herunter und machte erst nach größeren Mengen leicht betrunken. Bis in die späte Nacht erzählten und sangen wir. Schließlich schaffte ich es doch mich zu verabschiede, suchte meine Hütte auf, sank auf mein Bett und verfiel in einen tiefen Schlaf.

Wir Westeuropäer in unseren Städten wissen wirklich nicht mehr wie Kuhmilch und ein frisch gelegtes Hühnerei schmeckt. Dieser Urlaubsaufenthalt auf Karelien war eine Zeitreise in die Vergangenheit. Eine Vergangenheit die ich genoss. Frühmorgen weckte mich das Krähen der Raben, die sich in die unendlichen Weiten der Wälder aufmachten. Keine Sirenen und Auto-geräusche störten die Stille. Ab und zu hörte man ein vorbeifahrendes Motorboot. Von einem entfernten Hof drang das Geräusch einer Motorsäge. Das alles störte nicht, sondern gab einem das Gefühl: Ich bin nicht allein.

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Wohnanlage. Unten das Gemeinschaftshaus mit Terrasse. Oben das Gästehaus

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Unser kleiner Gemüsegarten

Am nächsten Tag wollten wir mit einer Touristin aus Chile ein Picknick auf einer benachbar-ten Insel machen. Wir nahmen vorbereiteten Speisen mit und fuhren mit dem Motorboot auf die Insel. Auf unserer Erkundigungstour über die Insel entdeckte Ekaterina einen Haufen Murmeln in der Größe von Wachteleiern. Wir rätselten lange, welch ein Tier die Insel wohl bewohnt. Es war ein Elch. Die Elche durchstreifen das Land und schwimmen auch von Insel zu Insel. Im Sommer wird man wohl kaum Wölfen begegnen. Sie halten sich weit entfernt von menschlichen Siedlungen auf, doch im Winter bin ich mir da nicht mehr so sicher. Auch mit Braunbären muss man hier stets rechnen. So lange die Bären nicht gejagt werden, sind sie für den Menschen nicht sehr gefährlich, wenn man sich richtig verhält. Man sollte einfach stehen bleiben und keine ruckartigen oder fluchtartigen Bewegungen machen. Die Bären lieben hier den Wodka, Sie tun alles, um an eine Flasche heranzukommen. Das ist kein Ammenmärchen, sondern pure Wirklichkeit. Also haben sie immer eine Flasche Wodka für einen Bärenbesuch bereit.

Ein russischer Zar hatte einstmals einen Elefanten geschenkt bekommen. Mit der Fütterung war man nicht sehr vertraut. Nach alter Gewohnheit gaben sie ihm, damit er nicht frieren muss, Wodka. Leider war der Elefant daran gestorben. Doch die Bären sind daran gewöhnt!

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Picknick

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Picknick. Links meine Reiseleiterin Ekaterina Archipowa.
Rechts Anja, eine Pilzsammlerin, die wir dort trafen.

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Insel. Auf der kleinen Insel machten wir Picknick.
Hier begegneten wir auch den Spuren von Elchen.

Eigentlich wollte ich von der Insel aus mehrere Segeltouren unternehmen. Doch die momen-tane Wetterlage machte mir einen dicken Strich durch mein Vorhaben. Normalerweise herrscht in dieser Region ein guter Wind von 10 m/s vor. Damit kann man gut segeln. Doch jetzt herrschte die absolute Flaute. Die größeren Jachten fuhren alle mit Motorkraft, weil sie keinen Wind in die Segel bekamen. Eines Tages saß ich am Ufer und nahm einen leichten Wind war. Vielleicht waren es 3 m/s. Ich schöpfte Hoffnung um wenigstens mit einem kleineren Boot zu segeln. Nach langer Überredungskunst bereiteten wir das Boot vor. Unser Ziel sollte ein Sandstrand kurz vor dem offenen See sein. Nur sehr langsam kamen wir selbst mit dem kleinen Segler vorwärts. Andauernd mussten wir kreuzen, um einigermaßen vorwärts zu kommen. Nach 4 Stunden brachen wir die Aktion ab und hängten den Motor ein.

Es gibt ein Sprichwort auf Karelien: Die Karelier klatschen in die Hände, wenn die Sonne mal scheint. Jetzt musste ich in die Hände klatschen, wenn wenigsten eine stärkere Priese aufge-kommen wäre.

Normalerweise ist das Klima rau und stürmisch, ideal zum Segeln. An stürmischen Tagen bäumt sich der See auf und schlägt Wellen bis 3 Meter hoch. In Kischi lagen einige finnischen Jachten im Hafen und warteten auf besseren Wind. Das Segeln konnte ich nun ganz abhaken und begnügte mich mit dem Motorboot.

Trotzdem verbrachten wir sehr schöne Tage auf der Insel. An unserem letzten Abend holte ich meinen Cognac und lud Michail zum Trinken ein. Doch Michail war ganz unruhig. Es war erst 21:00 Uhr und der Abend lag noch vor uns. Schließlich fragte ich Michail nach dem Grund seiner Unruhe und er antwortete: „Ach Garald, meine Kühe sind noch nicht nach Hause gekommen und nirgendwo kann ich sie finden.“

Das Vieh geht ganz selbstständig aus dem Stall und sucht sich seine Futterplätze im Wald und auf entfernten Wiesen selbst. Müde kommen sie am Abend zum Schlafen nach Hause.

Am anderen Morgen stand die Kuh wieder im Stall. Das Euter war prall gefüllt und sie wurde durch Michail von ihrem Druck befreit.

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Leicht im Wind. Die leichte Prise reicht wirklich kaum zum Vorwärtskommen.
Ich hoffe, dass die Segel auf dem offenen See mehr Wind bekommen.

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Letzte Vorbereitungen. Ich bin noch immer guter Hoffnung.

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Eine Notlösung. Ich wollte unbedingt segeln und habe alle überredet es wenigsten mit den kleinen Booten zu probieren.